Wo einst Tundra und Taiga begannen?

Eine Reise nach Schlesien vom 2. bis 7. August 2010

Der Abend     
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewusst,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

Joseph Freiherr von Eichendorff

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Wer kennt Schlesien wirklich?
War es nicht eher so, wie Rolf-Bernhard Essig in der Süddeutschen Zeitung in einer Buchbesprechung über Schlesien* schreibt, dass hinter der Ostgrenze (egal ob der deutschen oder der polnischen) für manchen von uns Tundra und Taiga begannen? Übertrieben? Sicher. Oder doch eher vielleicht. Aber wie viel ist davon noch heute in unseren Köpfen?

Eine komplizierte Geschichte mit großen Leistungen, vielen Tabus und weißen Flecken schreit geradezu nach tiefem Verständnis und kultureller Gerechtigkeit. Machen wir uns also auf den Weg zu sehen, zu verstehen und … uns zu verlieben.

Unsere  Reise führt in eine mitteleuropäische Kulturlandschaft, die in wechselvoller Geschichte von der Herrschaft polnischer, böhmischer, preußischer und sächsischer Könige sowie der Habsburger Monarchie geprägt wurde. Die politischen Veränderungen am Ende des 2. Weltkrieges teilten eine Region, die mit dem Beitritt Polens und Tschechiens zur EU im Mai 2004 wieder als Ganzes näher in das Zentrum Europas gerückt ist. Reiche Handelsstädte mit ihren wiederentstandenen Zentren, beeindruckende Schlösser, Herrenhäuser und Klöster sowie die malerische Landschaft des Riesengebirges werden auf dieser Reise entdeckt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der schlesischen Hauptstadt Breslau, mit ihren großen Traditionen in der Wissenschafts-, Architektur- und Geistesgeschichte. Die gegen Ende des Krieges zur Festung erklärte Stadt ist in den letzten Jahren wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden und präsentiert sich heute als ein lebendiger und dennoch historischer Ort von ungeahnter Schönheit.
In Kreisau wird an Persönlichkeiten  des Widerstandes im Nationalsozialismus und tragische Ereignisse des Jahres 1945 erinnert. Start und Endpunkt der Reise ist das unvergleichliche Görlitz, eine der schönsten Städte Deutschlands, in der Sie mit unserer Hilfe vielleicht noch ein, zwei Tage verweilen sollten und z.B. beim Besuch des Schlesischen Museums Ihre Eindrücke vertiefen könnten.

1. Tag: Anreise in Görlitz – Entdeckungen in einer märchenhaften Stadt – Grenzüberschreitung

Individuelle Anreise im charmanten ***Sorat Hotel (Struvestr. 1, Tel. 03581/406577) im Herzen von Görlitz; 16.00 Uhr Begrüßung der Reiseteilnehmer und Führung zu Fuß durch die vorbildlich sanierten Gründerzeit- und Jugendstilviertel und die historische Altstadt mit kompletten Straßenzügen aus Gotik, Renaissance und Barock; Kirchenführung und Sonderkonzert auf der berühmten Sonnenorgel der Peterskirche; gemeinsamer „Ausflug“ über die wiederentstandene Altstadtbrücke auf die andere Seite der Neiße zu einem individuellen Essen, um in der „Dreiradenmühle“ im polnischen Teil der Stadt mit Blick auf die Silhouette der Altstadt den ersten Tag zu beschließen.

2. Tag: Breslau/Wrocław – „Die Blume Europas“ (Hotelwechsel)

Verladen des Gepäcks; Aufbruch nach Breslau, der Hauptstadt Schlesiens; ca.11.00 Uhr Einweisung in das Hotel „Tumski“ (Tel. 0048/71/3226099) neben der Dominsel an der Oder; Führung durch das wiederentstandene historische Zentrum Breslaus mit großartiger Architektur von der Gotik bis zum Barock (u.a. gotisches Rathaus mit dem gewaltigen Remter, Dom auf der Dominsel und Maria auf dem Sande); individuelles Abendessen (mit reservierten Plätzen) im „Dwór Polski“ am Ring.

3. Tag: Trebnitz/Trzebnica – Breslau/Wrocław

Stadtrundfahrt mit Besuch der 1911-1913 errichteten Jahrhunderthalle, die seinerzeit weltweit größte Kuppelkonstruktion aus Stahlbeton, und Weiterführung der Stadtführung  mit Besichtigung der barocken Aula Leopoldina der Universität; Führung über den beeindruckenden Friedhof der ehemals drittgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands; individueller Mittagsimbiß in der historischen Markthalle aus dem Jahr 1908; bei Interesse: Fahrt nach Trebnitz; Besichtigung der Wallfahrtsstätte mit einer Schwester des Pflegeordens der Boromäerinnen; Rückfahrt nach Breslau; oder Freizeit in Breslau für eigene Entdeckungen z. B. für eine Fahrt mit dem Lift auf den Turm des Doms, einen Besuch des Botanischen Gartens oder einem Bummel durch das lebendige Zentrum der Stadt;  individuelles Abendessen im Hotel oder in einem der zahlreichen Restaurants in der Altstadt.

4. Tag: Schweidnitz/Swidnica – Kreisau/Krzyzowa – Krummhübel/Karpacz (Hotelwechsel)

Verladen des Gepäcks; Fahrt nach Schweidnitz zur größten der drei Friedenskirchen, die den schlesischen Protestanten nach dem Dreißigjährigen Krieg zugestanden wurden; Besichtigung der 1656/57 nur aus Holz und Lehm erbauten Fachwerkkirche  „Zur Heiligen Dreifaltigkeit", die unglaubliche 7.500 Plätze hat und seit 2001 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht; kurzer Transfer nach Kreisau; einfaches Mittagessen im Speisesaal der Anlage; Besichtigung des alten Gutes und der Gedenkstätte im Berghaus, die an den Kreisauer Kreis und seinen Widerstand im Dritten Reich erinnert; für Interessierte: Spaziergang zum aufgelassenen deutschen Friedhof des Ortes mit dem Mausoleum für Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke und den Gedenksteinen für Helmuth James von Moltke u.a.; Weiterfahrt ins Riesengebirge nach  Karpacz/Krummhübel; Beziehen der Zimmer im Hotel „Konradowka“ (Tel.0048/75/7618173); Abendessen im Hotel.

5. Tag: Das Riesengebirge (Kirche Wang in Krummhübel/Karpacz – Agnetendorf/Jagniatków – Schloss Lomnitz/Pałac Łomnica und anderes im Hirschberger Tal)

Aufbruch zum Besuch der pittoresken Holzstabkirche Wang; Fahrt nach Agnetendorf; Führung durch "Haus Wiesenstein", dem wichtigsten Wohnsitz Gerhart Hauptmanns (1862-1946); Weiterfahrt in das Hirschberger Tal; individuelle Mittagspause  im Schloss Lomnitz, einem der zahlreichen Schlösser des preußischen Adels im Hirschberger Tal; Führung durch die Ausstellung zur Geschichte des Hirschberger Tales;  Gelegenheit zum Spaziergang im Park, für eine individuelle Kaffeepause und zum Kauf der traditionellen Produkte der schlesischen Leinenweber; Fahrt nach Erdmannsdorf/Zillerthal zu einem Schinkelschloss und den Tiroler Häusern für protestantische Glaubensflüchtlinge; Rückfahrt in das Hotel; Abendessen im Hotel.

6. Tag: Hirschberg/Jelenia Góra – Heimreise

Verladen des Gepäcks; 8.00 Uhr Fahrt in die Tuchmacher- und Weberstadt Hirschberg, die malerisch in einem Talkessel am Fuße des Riesengebirges liegt; 8.30 Uhr Rundgang durch das Zentrum der Stadt mit dem Markt, dessen Barock- und Rokokohäuser mit ihren Laubengängen wieder in altem Glanz erstrahlen; Besichtigung der 1709 - 1718 nach dem Vorbild der Stockholmer Katharinenkirche entstandenen barocken Gnadenkirche; 10.00 Uhr Rückfahrt nach Görlitz und Ankunft ca. 12.00 Uhr; Zeit für eine individuelle Mittagspause und die Abreise oder persönlich gewünschte Verlängerung des Aufenthaltes mit Zeit für eigene Erkundungen in einer der schönsten Städte Deutschlands.

Leistungen

  • 5 Übernachtungen/Frühstück (Büffet) DZ/DU/WC/TV/Tel.
  • Bustransfer ab 2. Tag
  • Alle aufgeführten Eintritte, Führungen und Besichtigungen
  • Mittagessen am 4. Tag
  • Abendessen am 4. Tag und 5. Tag
  • Reisebegleitung
  • Vorbereitung und Organisation

Bei gewünschter Anreise vor Reisebeginn und/oder Abreise nach dem Reiseende können im Hotel in Görlitz zusätzliche Übernachtungen zu einem günstigen Preis reserviert werden.

Im Hotel in Karpacz ist Schwimmbad- und Saunabenutzung inklusive.

*Literaturempfehlung

Roswitha Schieb: Reise nach Schlesien und Galizien. Eine Archäologie des Gefühls. Berlin Verlag 2000. 238 Seiten, 18 Euro.

 

Wir danken der Stadt Görlitz für das Foto von der Stadt-Silhouette mit Peterskirche (Copyrightvermerk: (c)Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH)