"Harz, du Muttergebürg ..."

Eine Reise in den Harz

Wir nahmen freundschaftlich Abschied, und fröhlich stieg ich den Berg hinauf. Bald empfing mich eine Waldung himmelhoher Tannen, für die ich in jeder Hinsicht Respekt habe. Diesen Bäumen ist nämlich das Wachsen nicht so ganz leicht gemacht worden, und sie haben es sich in der Jugend sauer werden lassen. Der Berg ist hier mit vielen großen Granitblöcken übersäet, und die meisten Bäume mußten mit ihren Wurzeln diese Steine umranken oder sprengen, und mühsam den Boden suchen, woraus sie Nahrung schöpfen können…
Allerliebst schossen die goldenen Sonnenlichter durch das dichte Tannengrün. Eine natürliche Treppe bildeten die Baumwurzeln. Überall schwellende Moosbänke; denn die Steine sind fußhoch von den schönsten Moosarten, wie mit hellgrünen Sammetpolstern, bewachsen. Liebliche Kühle und träumerisches Quellengemurmel. Hier und da sieht man, wie das Wasser unter den Steinen silberhell hinrieselt und die nackten Baumwurzeln und Fasern bespült. Wenn man sich nach diesem Treiben hinab beugt, so belauscht man gleichsam die geheime Bildungsgeschichte der Pflanzen und das ruhige Herzklopfen des Berges. An manchen Orten sprudelt das Wasser aus den Steinen und Wurzeln stärker hervor und bildet kleine Kaskaden. Da läßt sich gut sitzen. Es murmelt und rauscht so wunderbar, die Vögel singen abgebrochene Sehnsuchtslaute, die Bäume flüstern wie mit tausend Mädchenzungen, wie mit tausend Mädchenaugen schauen uns an die seltsamen Bergblumen, sie strecken nach uns aus die wundersam breiten,drollig gezackten Blätter, spielend flimmern hin und her die lustigen Sonnenstrahlen, die sinnigen Kräutlein erzählen sich grüne Märchen, es ist alles wie verzaubert, es wird immer heimlicher und heimlicher, ein uralter Traum wird lebendig, die Geliebte erscheint – ach, daß sie so schnell wieder verschwindet!
Je höher man den Berg hinaufsteigt, desto kürzer, zwerghafter werden die Tannen, sie scheinen immer mehr und mehr zusammen zu schrumpfen, bis nur Heidelbeer- und Rotbeersträuche und Bergkräuter übrig bleiben. Da wird es auch schon fühlbar kälter. Die wunderlichen Gruppen der Granitblöcke werden hier erst recht sichtbar; diese sind oft von erstaunlicher Größe. Das mögen wohl die Spielbälle sein, die sich die bösen Geister einander zuwerfen in der Walpurgisnacht, wenn hier die Hexen auf Besenstielen und Mistgabeln einhergeritten kommen, und die abenteuerlich verruchte Lust beginnt, wie die glaubhafte Amme es erzählt, und wie es zu schauen ist auf den hübschen Faustbildern des Meister Retzsch…
In der That, wenn man die obere Hälfte des Brockens besteigt, kann man sich nicht erwehren, an die ergötzlichen Blocksberggeschichten zu denken, und besonders an die große mystische deutsche Nationaltragödie vom Doktor Faust. Mir war immer, als ob der Pferdefuß neben mir hinauf klettere, und jemand humoristisch Atem schöpfe. Und ich glaube, auch Mephisto muß mit Mühe Atem holen, wenn er seinen Lieblingsberg ersteigt; es ist ein äußerst erschöpfender Weg, und ich war froh, als ich endlich das langersehnte Brockenhaus zu Gesicht bekam.
(Aus: Heinrich Heine, „Die Harzreise“ 1824)

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tl_files/reisen/harz2013mt/Dom_Halberstadt.JPGWenn Sie mit jenakolleg eine Reise in den östlichen Teil des nördlichsten Mittelgebirges Deutschlands wagen, erwarten Sie natürlich solche unumgängliche Programmpunkte wie romanische Stiftskirchen, Fachwerkstädte, schöne Gebirgslandschaft und vieles mehr. Das alles werden Sie auf eine unverwechselbare und für jenakolleg typische Art kennenlernen oder wiederentdecken. Aber wie immer suchen wir, scheinbar am Rande, Ziele, die für die meisten Besucher dieser Region  nicht zum Programm gehören:
Den Kohnstein mit seiner tragischen Rüstungsgeschichte in den letzten Kriegsjahren, das hochbedeutende Zisterzienserkloster Walkenried mit dem schönsten gotischen Kreuzgang Norddeutschlands, den Dom in Nordhausen, als Frauenstift 961 von Königin Mathilde gegründet, mit seiner romanischen Krypta (in der ich getauft wurde), das Historische Europastädtchen Stolberg, Geburtsstadt des radikalen Reformators Thomas Müntzer und der grandiose Domschatz und die blondbezopfte Maria in Halberstadt.

Und natürlich meine Lieblingskirche im Harz, die Stiftskirche in Gernrode: „Diese alten Kirchen sind versteinerte Psalmen. In einer Kirche wie der Gernröder kann die Predigt zur Not wegfallen, weil die Steine predigen. Das Herz wird himmelan gerissen.“ (Wilhelm von Kügelgen 1860).

Begleiten Sie mich auf den Wegen durch Deutschlands Muttergebürg, wie Novalis den Harz als unvergleichlich pries, ich freue mich auf diese Reise!

1. Tag: Königin der Fachwerkkunst – ottonischer Domschatz in perfekter romanischer Architektur

bis 14.30 Uhr individuelle Anreise im Precise Hotel „Quedlinburger Stadtschloss“; geführter Rundgang durch die einstige Königspfalz mit über 1.500 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt; Führung durch die romanische Stiftskirche St. Servatii mit ihrem in Teilen lange verschollenen Domschatz, der teilweise älter als 1.100 Jahre ist; individuelles Abendessen in einem der schönen Restaurants des Hotels.

2. Tag: Sakrale Kunst in einer geschundenen Stadt – Idyllisches Harzstädtchen – Konzert in der Stiftskirche

Fahrt nach Halberstadt, dem "Tor zum Harz"; Spaziergang zur romanischen Liebfrauenkirche; Führung durch den Dom St. Stephanus, einem Meisterwerk der norddeutschen Gotik, und die Sammlungen des Domschatzes, die zu den bedeutendsten in Europa zählen; individuelle Mittagspause im Zentrum der Stadt;
Transfer nach Wernigerode;  geführter Rundgang durch die "bunte Stadt am Harz" mit wunderbar bemalten, gut erhaltenen Fachwerkhäusern; Rückfahrt nach Quedlinburg; 20.00 Konzert in der Stiftskirche St. Servatii im Rahmen des Quedlinburger Musiksommers.

3. Tag: Unmenschliche Arbeit an Raketen – Zisterzienser im Harz – Dom der Witwe Heinrich I. –Müntzerstadt Stolbergvon überragender Bedeutung am Rande Deutschlands

Fahrt in die Gedenkstätte Dora Mittelbau bei Nordhausen; Besuch des Museums des ehemaligen Konzentrationslagers und Führung durch die unterirdische Stollenanlage, in der seit 1943 in Verantwortung von Wernher von Braun die „Vergeltungswaffen“ V 1 und V 2 hergestellt wurden; Weiterfahrt nach Walkenried; individuelle Mittagspause im Kloster; Führung durch die Reste des Zisterzienserklosters Walkenried mit seinem kunstvollen Kreuzgang, einem Meisterwerk gotischer Baukunst;  Weiterfahrt in die tausendjährige ehemalige Freie Reichs- und Hansestadt Nordhausen; Führung durch den in seinen ältesten Teilen tausendjährigen Dom zum Hl. Kreuz und Orgelführung auf der Klais-Orgel; 17.00 Uhr Weiterfahrt in die Fachwerkstadt Stolberg, dem Geburtsort Thomas Müntzers; Spaziergang durch die historische Europastadt mit Fachwerkhäusern aus fünf Jahrhunderten; Abendessen im historischen Gasthof „Kupfer“; Rückfahrt in das Hotel (Fahrzeit ca. 50min).

4. Tag: Predigende Steine – mystisches Hexenwerk hoch über dem Tal – Goethes Lieblingshöhle – rationales Menschenwerk in Perfektion

Fahrt nach Gernrode; Führung durch die über tausendjährige Stiftskirche St. Cyriakus, einem hervorragenden Zeugnis ottonischer Architektur; Fahrt nach Thale, dem Städtchen am Eingang des wildromantischen Bodetals; Fahrt mit der Kabinenbahn auf den sagenumwobenen Hexentanzplatz, der wie die gegenüberliegende Roßtrappe das Bodetal um 250 m überragt; individuelle Mittagspause; Weiterfahrt nach Rübeland; Besichtigung der "Baumannshöhle" mit dem Goethesaal, eine der beiden berühmten Rübeländer Tropfsteinhöhlen; Fahrt zur 90 m hohen und 415 m langen Mauer der Rappbodetalsperre (mit kurzem Spaziergang zum Aussichtspunkt) und weiter nach Wendefurth; Forellenessen im Restaurant "Zur Bode"; Rückfahrt in das Hotel (Fahrzeit ca. 30 min.).

5. Tag: Mystischer Berg „Vater Brocken“ und romantisches Bähnle – ein Tag der Entdeckung der Langsamkeit

Fahrt mit Bahn oder Bus nach Wernigerode und mit der Harzer Schmalspurbahn zum Brocken, dem mit 1142 m höchsten Berg des Harzes; Spaziergang auf dem Gipfel mit seiner einmaligen Flora und - gutes Wetter vorausgesetzt - einer Fernsicht von über 100 km; individuelle Mittagspause und bei Interesse selbständiger  Besuch des hochinteressanten, neu eingerichteten Brockenmuseums und des 1890 eingerichteten und nach dem Fall der Mauer wieder entstandenen Brockengarten; Rückfahrt über Wernigerode nach Quedlinburg; Abschiedsessen.

6. Tag: Heimreise

individuelle Gestaltung des Tages in Quedlinburg und Gelegenheit zum Besuch diverser Museen (Schlossmuseum, Klopstockmuseum, Feininger-Galerie, Fachwerkmuseum u.a.) und ev. Verlängerung des Aufenthaltes oder Heimreise.

Leistungen:

  • 5 Übernachtungen/Frühstück (Büffet) im ****Hotel DZ/DU/WC/TV/Tel.
  • Fahrt im bequemen Reisebus vom 2. bis 4. Tag
  • Abendessen am 4. und 5. Tag
  • alle im Programm enthaltenen Führungen und Bahnfahrten
  • Orgelspiel im Dom in Nordhausen und Konzert in der Stiftskirche Quedlinburg
  • Organisation und Begleitung durch jenakolleg

Links:

http://www.precisehotels.com/de/hotel/quedlinburg/willkommen
http://www.quedlinburg.de/de/kultur__tourismus.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Stiftskirche_St._Servatius_(Quedlinburg)
http://www.halberstadt.de/de/sehenswertes_tourismus.html
http://www.wernigerode-tourismus.de/
http://www.buchenwald.de/29/
http://www.kloster-walkenried.de/index.php?cPage=3&sPage=0
http://www.heiligeskreuz-nordhausen.de/Nordhaeuser-Dom/1,000001040086,8,1
http://de.wikipedia.org/wiki/Stolberg_(Harz)
http://www.zum-kanzler.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Stiftskirche_St._Cyriakus_(Gernrode)
http://www.seilbahnen-thale.de/attraktionen/kabinenbahn.html#&panel1-1&panel2-1
http://www.harzer-hoehlen.de/texte/seite.php?id=9058
http://www.talsperren-lsa.de/
http://zur-bode.de/fotogalerie.html
http://www.hsb-wr.de/

Bildnachweise:

Wir danken den folgenden Bildrechte-Inhabern für die Erlaubnis, ihre Fotos für unsere Zwecke verwenden zu dürfen:

  • Seilbahnen Thale GmbH (1. Foto, 2. Bildreihe sowie Startfoto "Seilbahn" im Bildlauf oben links; alle Fotos von Enrico Kreim, Quedlinburg)
  • Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt, Blankenburg (2. Foto, 2. Bildreihe "Rappbodetalsperre")
  • Harzer Tourismusverband e.V., Goslar (2. Foto im Bildlauf oben links, "Rappbodestausee")

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