Geistesriesen der Renaissance – Luther und die Folgen

„Wir sind Bettler. Hoc est verum (Das ist wahr).“
Luther, einen Tag vor seinem Tode

„Der Prediger allein wusste in Deutschland, was eine Silbe, was ein Wort wiegt, inwiefern ein Satz schlägt, springt, stürzt, läuft, ausläuft, er allein hat ein Gewissen in seinen Ohren... Das Meisterstück der deutschen Prosa ist deshalb billigerweise das Meisterstück ihres größten Predigers: die Bibel war bisher das beste deutsche Buch. Gegen Luthers Bibel gehalten ist fast alles Übrige nur 'Literatur'.“
Friedrich Nietzsche

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Im 530. Jahr der Wiederkehr des Geburtstages des Reformators und vier Jahre vor dem 500. Jubiläum des Thesenanschlages an der Schlosskirche zu Wittenberg begeben wir uns auf die Spuren eines Menschen und der von ihm geprägten Bewegung, die zu den bedeutendsten und folgenreichsten Ereignissen des letzten halben Jahrtausends zu zählen ist.

Die facettenreiche Reise wird sich nicht nur den weltberühmten Wirkungsorten in Eisleben, Erfurt, Eisenach und Wittenberg intensiv widmen, sondern auch einige der wichtigsten Resultate des Wirkens Luthers und seines bedeutenden Weggefährten Melanchthon bedenken. Das betrifft neben der Bedeutung der Kirchenmusik und der zentralen Rolle Bachs vor allem die frühe Bildungsgeschichte in Mitteldeutschland im 17. Jahrhundert am Beispiel von Herzog Ernst I. in Gotha und natürlich von August Hermann Francke im Jahr seines 350. Geburtstages mit seiner einmaligen Schulstiftung in Halle.

Mit dem Besuch der Jesus-Bruderschaft in Volkenroda führt uns die schöpferische Adaption lutherischer Gedanken in die Gegenwart: In der Tradition der Reformorden und der Herrnhuter leben die Brüder und Schwestern praktische Lebenshilfe durch Jugend- und Sozialarbeit in einer ökumenischen Kommunität mitten in unserer Zeit.

Luther und die Folgen – das ist als Titel unserer Reise mit Bedacht gewählt. Denn die Orte, die wir aufsuchen, sind (nur) wichtig, weil sie uns eine Ahnung davon vermitteln, was es bedeutet, wenn die Zeit „reif“ ist für Veränderungen und faszinierende Persönlichkeiten hervorbringt, die Geschichte schreiben. Ja, Menschen mit all ihren Facetten, deren Namen aber gleichsam abstrakt für das von ihnen Geleistete stehen.

Wir sehen den cholerischen und schwermütigen Mansfelder, erinnern uns im Rosarium Sangerhausen an den Blumen und Bäume liebenden Luther, der ab 1530 alle seine Briefe durch den Ring mit der Rose siegelte, und staunen über seinen ausgleichenden Dioskuren Melanchthon, den „Praeceptor Germaniae“, der nur 1,50m an Körpergröße maß. Und beide zusammen sind zugleich Synonyme für eine weltumspannende Bewegung, „die sich zwischen Erfurt und Wittenberg entwickelte“, und von der der bekannte Publizist Gustav Seibt weiter schreibt, dass ohne sie „beispielsweise die Vereinigten Staaten von Amerika nicht das wären, was sie sind.“

Und dann klingen uns da Luthers letzte schriftlich überlieferte Worte im Ohr. Welche Leistung gegenüber der Welt – und gegenüber sich selbst!

1. Tag: Das barocke Universum und frühe deutsche Bildungsgeschichte

Anreise in Gotha bis 14.00 Uhr: individuelle Anreise im „Hotel am Schlosspark“ (Lindenauallee 20, 99867 Gotha, Tel. +49 36 21 4 42-0); 14.30 Uhr kurzer Spaziergang zum und Führung durch das Barockschloss Friedenstein, in dem Bach 1711 ein Gastspiel gab, und Besichtigung des einzigartigen Ekhoftheaters; Gelegenheit zum Besuch der Sonderausstellung „GOTHA MACHT SCHULE – Bildung von Luther bis Francke“ (Ausstellung anlässlich des 350. Geburtstags von August Hermann Francke);  gemeinsames Abendessen im Hotel.

2. Tag: Kommunität heute – Luther und der „fünfte Evangelist“

Fahrt in das ehemalige Kloster Volkenroda, dem Sitz der Jesus-Bruderschaft, einer ökumenischen Kommunität in der Tradition der Zisterzienser und der Herrnhuter; Konzertgottesdienst mit dem Blechbläserensemble „Eurobrass“  aus dem evangelischen Bibelseminar Königsfeld im Christus-Pavillon (EXPO 2000); Führung durch die Anlage; Weiterfahrt nach Eisenach und hoch zur Wartburg, die in der Geschichte der Reformation durch das Wirken von „Junker Jörg“ eine einzigartige Bedeutung hat; Führung durch den mittelalterlichen Palas und den Festsaal sowie Zeit für das Museum und die legendäre Lutherstube; kurzer Transfer zurück nach Eisenach zum Bachhaus; kleines Konzert auf historischen Tasteninstrumenten; Zeit für das im Jahre 2007 neu eröffnete und außerordentlich gut gestaltete Museum; gemeinsames Abendessen im Landgasthaus „Schützenhof“ in Mühlberg.

3. Tag: (Hotelwechsel) Augustinermönch in Erfurt – Meisterwerk der Renaissance in Halle

Fahrt in die thüringische Landeshauptstadt Erfurt; Stadtführung durch die malerische Altstadt mit der Krämerbrücke, der einzigen völlig bebauten mittelalterlichen Brücke nördlich der Alpen, zum gotischen Mariendom, der mit der Kirche St. Severi auf dem Domberg ein grandioses Ensemble bildet; Führung durch das Augustinerkloster, in dem am 17. Juli 1505 (Eintritt Luthers in das Kloster) eines der bedeutendsten Kapitel der Neuzeit begann, und Zeit für die Ausstellung „Bibel – Kloster – Luther“; Weiterfahrt in das über tausendjährige Halle, das durch die Produktion von und den Handel mit Salz reich wurde und in der Reformation eine wichtige Rolle spielte; Beziehen der Zimmer im zentral gelegenen „Hotel Rotes Ross“ (Leipziger Str. 76, 06110 Halle, Tel. +49 345 2334300); kurzer Spaziergang zum und über den Stadtgottesacker von 1557, dem berühmtesten Camposanto nördlich der Alpen; indiv. Abendessen in der Stadt oder im Hotel.

4. Tag: Geburts- und Sterbeort im Mansfelder Land – Exkurs in ein Rosenparadies

Fahrt nach Eisleben – die Stadt, in der Martin Luther am 10. November 1483 auf die Welt kam und sie am 18. Februar 1546 verlassen musste; große Führung durch die Stadt, das Luther-Geburtshaus, die Petrikirche (Luthers Taufkirche) und die Andreaskirche (hier hielt er seine letzte Predigt drei Tage vor seinem Tod, und hier wurde er vor der Überführung nach Wittenberg aufgebahrt); Gelegenheit zum individuellen Besuch des Sterbehauses von Luther, welches nach mehrjähriger Sanierung im Januar wiedereröffnet wird; kurze Fahrt in die benachbarte Stadt Sangerhausen; Führung durch das Europa-Rosarium gegr. 1903), die weltgrößte Rosensammlung mit 8.300 Rosensorten und –arten; indiv. Abendessen auf dem Rückweg oder in Halle.

5. Tag: Luther und Melanchthon – Der Reformator und sein wichtigster Partner

Fahrt nach Wittenberg, das gemeinhin als die „Mutter der Reformation“ bezeichnet wird; Führung mit „Philipp Schwartzerdt“ durch das Städtchen, die Schlosskirche mit der Thesentür und das Melanchthonhaus, dem schönsten Renaissancebau Wittenbergs (nach umfassender Sanierung und neugestalteter Ausstellung wiedereröffnet im Frühjahr 2013); nach einer Verschnaufpause Führung durch das gewaltige Schwarze Kloster, bis 1524 Sitz der Augustinermönche, dann Wohnhaus der Familie Luther und heute Gedenkstätte für den Reformator (nach kurzer Führung Zeit für eigene Erkundungen des großartigen Museums); am späten Nachmittag und schon auf dem Heimweg; gemeinsames Abendessen im berühmten „Landgasthof Podelwitz“.

6. Tag: „Das Neue Jerusalem“ und sein Gründer – Der Pietist August Hermann Francke und seine Stiftung – Taufkirche von Händel und Aufbahrungsort des Doktors aus Wittenberg

Begegnung mit dem berühmtesten Schulgründer des Barock in Deutschland: Führung durch die prachtvoll sanierte, über 300 Jahre alte Schulstadt unter dem Thema  „Der Stifter und sein Werk“ mit dem Schwerpunkt „Pietismus – Die singende Bewegung“; 12.00 Uhr kleines Orgelkonzert in der spätgotischen Marktkirche an der kleinen Reichel-Orgel aus dem Jahr 1664; „Verabschiedung“ von Luther in einer kleinen Kapelle, in der seine Totenmaske und Abdrücke seiner Hände zu sehen sind; ab 13.30 Uhr individuelle Heimreise oder bei Buchung von zusätzlichen Übernachtungen Gelegenheit zum Besuch des neugestalteten Händelhauses, der Moritzburg mit seiner bedeutenden Sammlung der Klassischen Moderne oder des Landesmuseums für Vorgeschichte mit der 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra, die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene.

Leistungen:

  • 5 Übernachtungen/Frühstück (Büffet) DZ/DU/WC/TV/Tel.
  • Bustransfer ab Gotha am 2. Tag/bis Halle am 5. Tag im modernen Komfortbus der Firma Könitzer
  • Abendessen 1. und 2. Tag; Abschiedsessen am 5. Tag
  • diverse aufgeführte Eintritte, Führungen und Besichtigungen
  • Reisebegleitung, Vorbereitung und Organisation